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Change. Only 150 kilometers away.

Vor über fünf Jahren, im Februar 2003, wurde in Berlin ein Zeichen gegen den von der Bush-Administration geplanten Irak-Krieg gesetzt. Zehntausende Menschen liefen durch das Brandenburger Tor und über die Straße des 17. Juni in Richtung großer Stern. Es war die Zeit eines Umbruchs in den Deutsch-Amerikanischen Beziehungen, die Zeit einer kritischen Auseinandersetzung des Old Europe mit den transatlantischen Nachbarn. Viel Stand damals auf dem Spiel für die Vereinigten Staaten, die sich durch George Walker Bushs engstirnige, bornierte und waffenstarrende Politik zunehmend international isolierten. Die Szenerie war geprägt von No-War-Transparenten, Peace-Flaggen und Anti-Bush-Plakaten. Manche warnten damals vor einem undifferenzierten Antiamerikanismus. Old Europe, diese diffamierend gemeinte Äußerung von Donald Rumsfeld - ich war damals sehr froh, Teil dieses Alten Europas zu sein.

Gestern war ich wieder zu einer politischen Großveranstaltung an der gleichen Stelle. Gegen viertel sieben hatte ich den Weg durch die Metalldetektoren geschafft und suchte mir einen Platz links neben der Pressetribüne vor der Siegessäule auf dem Großen Stern. Eine bunte Mischung von Menschen aus aller Teilen dieser Welt wartete dort auf Senator Barack Obama. Rechts neben mir eine Heerschar Journalistinnen und Journalisten sowie der Regierende Bürgermeister, für den sich gerade niemand so richtig interessierte. In der Berliner Luft lag erwartungsschwangere Stimmung. Die, die es bis hier vorn geschafft hatten, wurden von den Americans Abroad mit kleinen US-Flaggen ausgestattet, die zunächst noch vorsichtig in der Menge untertauchten. Auffällig viele junge Menschen waren da. Überhaupt, mir fällt keine politische Veranstaltung in Deutschland ein, wo ich eine derartig massenhafte Ansammlung von Menschen gesehen hätte. Offensichtlich Menschen in Erwartung einer frohen Botschaft.

Viertel nach sieben: Auftritt Barack Obama. Mit breitem Lächeln und strahlend weißen Zähnen kommt der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von links hinter dem preußischen Schlachtendenkmal hervor. Winkend und mit sicheren Schritten schreitet er über den Laufsteg bis zu seinem Holzpodest. Er genießt den Jubel, der ihm entgegenweht, blickt ein paar mal von links nach rechts über die Menge, bis er zu Reden beginnt. Die dunkle, feste Stimme Obamas, wirkt Vertrauen erweckend. Es ist eine angenehme Stimme, die das, was dieser Mann zu sagen hat, ganz maßgeblich unterstützt. Barack Obama hält die erwartete außenpolitische Grundsatzrede, in der er sich gleich zu Anfang und dann immer wieder als World Citizen bezeichnet. Er will die Distanz zu den Menschen aufbrechen, will, dass sie Vertrauen haben. Vertrauen, das er für die Vereinigten Staaten zurückgewinnen will.



Obama hält eine kurze aber fulminante Rede, die es in sich hat. Er äußert den Wunsch nach einer Welt ohne Kernwaffen, die die Angst vor nuklearer Vernichtung überwunden hat. Er spricht von der Wichtigkeit der Bewahrung der Menschenrechte an jedem Ort der Erde- auch in den Vereinigten Staaten. Er spricht Sätze wie: "Ich weiß, dass mein Land nicht perfekt ist. Gelegentlich taten wir uns schwer, das Versprechen von Freiheit und Gleichheit für alle unsere Bürger zu erfüllen. Wir haben unseren Anteil an Fehlern gemacht, und es gab Zeiten, in denen unser Handeln rund um die Welt nicht unseren besten Absichten gerecht wurde. Ich weiß aber auch, wie sehr ich Amerika liebe."

Es ist keine Rede in der amerikanischen Provinz, es ist eine der wichtigsten Reden seiner Kampagne. Obama wird sich an ihr messen lassen müssen. Auch beim Thema Klimaschutz wird er deutlich: "Wir müssen sicherstellen, dass alle Nationen der Welt - einschließlich meiner eigenen - den Ausstoß an Treibhausgas mit jener Ernsthaftigkeit reduzieren, wie es Ihr Land tut.", ruft Obama den Menschen entgegen. Die Masse dankt es ihm mit Jubel, Beifall und dem subjektiven Gefühl großer Erleichterung. Die USA-Flaggen wandern mehr und mehr aus der Verborgenheit ans Tageslicht, werden von den fröhlichen Menschen in den Himmel gestreckt. In diesem Moment wird deutlich, wie viel ein Präsident Obama für die USA leisten könnte- und für die ganze Welt. Überhaupt habe ich in diesen Minuten das Gefühl, Obama bewerbe sich für die Präsidentschaft der ganzen Welt.

Auch wenn ich eingangs schon etwas vorweggenommen habe: Obama ist noch nicht Präsident. Genau genommen ist er noch nicht einmal offizieller Kandidat seiner Partei. Dennoch wird er mindestens behandelt wie ein President-elect, wie ein kommender Präsident also. Obamania ist ein Hype, natürlich. Aber weshalb? Es ist nicht nur die Faszination des jungen, dunkelhäutigen Kandidaten, der mit dem Brustton der Überzeugung spricht. Es steckt mehr hinter der weltweiten Verehrung von Obama: Die Welt hat Bush und seine Administration satt. Der junge Senator ist die aussichtsreichste Hoffnung, die man dem Noch-Präsidenten und seiner Politik entgegensetzen kann. Die Welt hat die Sehnsucht nach einer USA, die endlich ihren riesigen Einfluss geltend macht, um die drängendsten Probleme der Erde anzugehen. Obama hat weit reichende Visionen und ich traue ihm zu, dass er Willens und in der Lage ist, sie umzusetzen.

Barack Obama ist nicht über jeden Zweifel erhaben. Seine grundsätzliche Befürwortung der Todesstrafe beispielsweise ist für mich nur schwer zu akzeptieren. Aber vielleicht wäre es mir unheimlich, wenn ich gar keinen Dissens mit ihm hätte.

Barack Obama ist das ganze Gegenteil von Bush. Ein Hoffnungsträger. Ein progressiver, wohltuend gebildeter und fest entschlossener Visionär. Barack Obama bedeutet eine Riesenchance- für die ganze Welt.

Ich habe mir eine Stars-and-Stripes-Flagge mit nach Hause genommen. Ich glaube, ich brauche sie noch.


 
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